Unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch - Starke Jobs
Zentrale: +49 3735 9489055

Unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch

Unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch: Tipps für Bewerber

Wer Zeit und Mühe in die Erstellung einer überzeugenden Bewerbung investiert hat, empfindet Freude und Stolz, wenn sich das Unternehmen mit einem Terminvorschlag für ein Vorstellungsgespräch zurückmeldet. Ist der Tag des Bewerbungsgespräches gekommen, geben sich die Interessenten Mühe, sich ihre Aufregung nicht anmerken zu lassen. Doch einige Fragen der Personaler können selbst siegessichere Anwärter ins Schwitzen bringen. Dies gilt insbesondere, wenn es sich um unzulässige Fragestellungen handelt. Doch welche Fragen im Vorstellungsgespräch sind nicht nur unangenehm, sondern unangemessen? Wie reagieren Bewerber am besten auf unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch  und wie umgehen Personalverantwortliche verbotene Fragen? Dieser Artikel liefert Antworten!

Vorstellungsgespräch

Grundsätzliches Fragerecht für den Arbeitgeber

Der potenzielle Arbeitgeber ist daran interessiert, den Bewerber möglichst gut kennenzulernen. Schließlich gehen Fehlbesetzungen für Unternehmen mit finanziellen Konsequenzen einher. Zudem werden weitere Mitarbeiter zusätzlich belastet, indem sie Aufgaben des Neulings übernehmen müssen. Betriebe sind aus diesem Grund auf der Suche nach Mitarbeitern, die über ein gewisses Maß an Erfahrung sowie eine schnelle Auffassungsgabe verfügen. Auch die zeitliche Flexibilität oder der Wohnort können eine Rolle bei der Auswahl der Bewerber spielen. Um die Eignung der Kandidaten einschätzen zu können, stellt der Personalverantwortliche eine Reihe von Fragen. Dabei steht der Person ein grundsätzliches Fragerecht zu. 

Folgende Themenfelder sind zulässig:

  • Wohnort
  • Ausbildung
  • Beruflicher Werdegang
  • Qualifikationen
  • Kenntnisse (beispielsweise Fremdsprachenkenntnisse)
  • Wettbewerbsverbote
  • Zeitliche Verfügbarkeiten

Welche Fragen sind im Bewerbungsgespräch unzulässig?

Ein Bewerbungsgespräch bietet sowohl dem Personaler als auch dem potenziellen neuen Mitarbeiter die Chance, möglichst viel über das Gegenüber herauszufinden. Grundsätzlich erhalten beide Parteien die Chance, Fragen zu stellen und sich Notizen zu machen. Dabei unterscheidet man jedoch zwischen zulässigen und unzulässigen Fragestellungen im Vorstellungsgespräch. Denn während einige Informationen unabdingbar sind, um die Qualifikationen des Bewerbers zu beurteilen, sind andere Fragen im Vorstellungsgespräch nicht nur unangenehm, sondern sogar verboten. 

So darf der Personaler auf Basis einer Bewerbung eines Produktionsmitarbeiters fragen, über welche konkreten Erfahrungen der Kandidat in diesem Bereich verfügt. Denn die ehemaligen Aufgabenbereiche des Bewerbers geben Auskunft über seine beruflichen Fähigkeiten und seinen individuellen Erfahrungsschatz. Die Erkundigung steht somit in direktem Zusammenhang zu der vakanten Stelle.Unzulässig wäre dagegen eine direkte Frage nach Informationen, an denen kein berechtigtes Interesse besteht. Eine Frage nach der Herkunft beispielsweise darf nicht gestellt werden. Denn laut dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz dürfen Personalverantwortliche Bewerber nicht diskriminieren.

Dennoch setzen sich einige Personaler darüber hinweg und verschieben bewusst die Grenzen der Zulässigkeit. Begründet wird diese Entscheidung häufig damit, dass provakante Nachfragen ermöglichen würden, eine authentische Reaktion des Kandidaten zu beobachten. Nichtsdestotrotz sind unter anderem Erkundigungen nach der Partnerschaft, der Familienplanung, der Gesundheit und dem Vermögen unzulässig. Hilfreich ist es, sich vor dem Bewerbungsgespräch mit dem Thema auseinanderzusetzen. Auf diese Weise gelingt es Bewerbern während des Gesprächs, Ruhe zu bewahren und angemessen auf eine unverschämte Frage zu reagieren. Die Voraussetzung ist, dass die Kandidaten ihre Rechte kennen. 

Fragen zur Familienplanung

Fragen im Vorstellungsgespräch zum Familienstand, der Partnerschaft, sexuellen Vorlieben, der Familienplanung sowie Verwandten sind untersagt. Alle genannten Themenfelder sind irrelevant für die zu besetzende Position. Wer beispielsweise nach einer bestehenden Schwangerschaft fragt, diskriminiert die Bewerberin auf Basis ihres Geschlechts.

Mögliche unzulässige Fragestellungen sind folgende:

  • Sind Sie Single oder vergeben?
  • Sind Sie homo- oder heterosexuell?
  • Welche berufliche Tätigkeit verfolgt Ihr Partner?
  • Wo arbeitet Ihr Partner?
  • Was machen Ihre Eltern?

Fragen zur gesundheitlichen Situation

Fragen zur Krankheitsgeschichte des Bewerbers und seiner Familie sind ebenfalls unzulässig. So dürfen Personaler weder erfragen, ob eine Behinderung vorliegt, noch gezielt Erkrankungen der Angehörigen ansprechen.

Unerlaubt sind zum Beispiel folgende Fragen:

  • Leiden Sie aktuell unter einer Erkrankung?
  • Wie lange dauerte Ihre letzte Erkrankung an?
  • Besteht eine psychische Erkrankung?
  • Gibt es in Ihrer Familie Fälle, in denen Personen schwer krank geworden sind?

Die Ausnahme bilden ansteckende Krankheiten. In diesem Fall besteht eine Offenbarungspflicht seitens des Arbeitnehmers. So wird ausgeschlossen, dass sich weitere Mitarbeiter infizieren.

Fragen zu privaten Ansichten

Die Religion und Konfession, eine Gewerkschaftszugehörigkeit sowie eine Parteizugehörigkeit sind ebenfalls Themen, zu denen ein Personaler im Rahmen eines Vorstellungsgesprächs keine Fragen stellen darf.

Beispiele für unzulässige Erkundigungen im Hinblick auf private Ansichten sind folgende:

  • Wie ernst nehmen Sie Ihren Glauben?
  • Wie wichtig ist Ihnen Ihr Kopftuch?

Generelle Fragen zur Person

Ebenso dürfen keine privaten Details erfragt werden. Dies bezieht sich beispielsweise auf Geldanlagen, Schulden und Fragen zur ethnischen Herkunft. Aber auch das Alter und weitere Fragen zum Privatleben dürfen nicht gestellt werden. Dies betrifft außerdem Gefängnisaufenthalte.

Wie reagiert man auf unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch?

Äußert ein Personalverantwortlicher unzulässige Fragen in einem Vorstellungsgespräch, gilt es zunächst, Ruhe zu bewahren. Im zweiten Schritt ist es von hoher Bedeutung, professionell auf das Fehlverhalten des Gegenübers zu reagieren. Eine entspannte, freundliche Antwort wirkt seriös und überlegt. Ob die Frage dabei wahrheitsgemäß beantwortet werden oder der Bewerber auf eine Lüge zurückgreifen sollte, ist im Einzelfall abzuwägen.

Grundsätzlich ist es von Vorteil, stets ruhig auf Fragen zu reagieren. Dabei lohnt es sich, kurz innezuhalten und zu hinterfragen, ob es sich tatsächlich um eine bewusste Provokation handelt oder ob der Personalverantwortliche die Information als berufsrelevant einstuft. Fragt dieser beispielsweise nach dem Grund für eine berufliche Umorientierung, ist es wichtig, professionell zu antworten und sich auf Fakten zu stützen. Begründen Sie den Jobwechsel sachlich und geben Sie keine geheimen Informationen des aktuellen Arbeitgebers preis.

Gegenfrage

Die eleganteste Art und Weise, auf eine unzulässige Frage zu reagieren, ist die Rückfrage. Erkundigt sich ein Personaler beispielsweise nach dem Herkunftsland oder einem Kinderwunsch, können Bewerber die Frage stellen: “Ist diese Information relevant für meine Tätigkeit in diesem Unternehmen?” Alternativ besteht die Möglichkeit, direkt nachzufragen, ob dem Gegenüber bewusst ist, dass es sich um eine unzulässige Frage im Vorstellungsgespräch handelt. Denn hier gilt: Auch Personaler können Fehler begehen und sich unter Umständen nicht bewusst darüber sein, dass sie mit einer spezifischen Frage eine Grenze überschreiten.

Verweigern

Die Antwort auf eine unzulässige Frage kann ein Bewerber zudem verweigern. Auch in diesem Kontext ist es von Vorteil, wenn die Antwort sachlich ausfällt. Ein Beispiel wäre der Satz: “Ich werde diese Frage nicht beantworten.”

Aber auch folgende Reaktionen wirken professionell:

  • “Diese Frage steht aus meiner Sicht nicht in Zusammenhang mit meiner Aufgabe.”
  • “Diese Frage ist zu privat.”
  • “Diese Frage ist unzulässig.”

Ehrlich antworten

Wer sich im Vorfeld ausreichend Gedanken über seine persönlichen Grenzen gemacht hat und genau einordnen kann, welche Fragen zulässig und welche unzulässig sind, kann sich für eine ehrliche Antwort entscheiden. In diesem Fall werden unangemessene Fragen wahrheitsgemäß beantwortet. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Information gegen den Bewerber verwendet wird und zu einer Absage führt. Um sich darüber klar zu werden, welche Fragen als Red-Flags einzustufen sind und welche Fragen beantwortet werden können, kann es sich lohnen, eine Übersicht zu entwerfen. Hier werden alle No-Gos aufgezählt. Ebenso kann eine Liste mit Fragen in der Grauzone und eine Auflistung der Fragen erstellt werden, die als angemessen empfunden werden.

In diesem Kontext legt der Bewerber fest, welche Grenzen bestehen. Fragen aus der Grauzone können spontan abgewiesen oder beantwortet werden. Dabei ist es ratsam, sich auf das Bauchgefühl zu verlassen.Löst eine Nachfrage ein negatives Gefühl wie Wut, Angst oder Enttäuschung aus, ist es sinnvoll, diese abzuweisen. Erzeugt die Frage jedoch eine positive Emotion, kann eine ehrliche Antwort die Grundlage für ein aufrichtiges Gespräch schaffen.

Lügen

Ein Bewerbungsgespräch lebt von einer freundlichen Interaktion. Der Hinweis darauf, dass eine Frage unangemessen ist, kann sich negativ auf die Stimmung auswirken. Deswegen entscheiden sich einige Bewerber dafür, eine verbotene Frage nicht zu verweigern, sondern bei der Antwort zu lügen. Doch Vorsicht: Lügen haben kurze Beine. Dies gilt vor allem für Informationen, die dem Arbeitgeber vorliegen. So ist es zum Beispiel nicht ratsam, Falschinformationen über die Religionszugehörigkeit zu streuen, da diese auf der Lohnabrechnung ausgewiesen wird.

Die gute Nachricht: Personen, die mit einer Lüge auf eine verbotene Frage reagieren, müssen keine rechtlichen Konsequenzen befürchten. Dies belegt beispielsweise das Urteil vom 06.02.2003 – 2 AZR 621/01 vom Bundesarbeitsgericht (BAG): So wurde entschieden, dass ein Arbeitgeber den Arbeitsvertrag nicht anfechten kann, wenn eine neu eingestellte Mitarbeiterin ihre Schwangerschaft im Bewerbungsprozess verschweigt.

Ausnahmen für unzulässige Fragen und Offenbarungspflicht

In manchen Fällen sind Bewerber verpflichtet, Fragen zu beantworten, die normalerweise verboten sind. Dies ist der Fall, wenn die Informationen in direktem Zusammenhang zu der beruflichen Tätigkeit stehen. So dürfen Juristen im Bewerbungsgespräch nach bestehenden Vorstrafen gefragt werden. Weiterhin besteht die Offenbarungspflicht, wenn ein Arbeitnehmer zum Beispiel an einer Erkrankung leidet, die es ihm erschwert, seine täglichen Aufgaben zu erfüllen. Gleiches gilt für eine Behinderung, sofern diese die spezifische Tätigkeit beeinflusst.

Bedingt zulässige Fragen im Bewerbungsgespräch

Fragen nach der Religionszugehörigkeit sind in der Regel unzulässig. In Ausnahmefällen kann ein Arbeitgeber jedoch darauf bestehen, Auskunft über die konfessionelle Zugehörigkeit zu erhalten. Dies ist der Fall, wenn es sich um eine religiöse Organisation handelt. Auf diese Weise kann der Personaler abwägen, ob der Bewerber ähnliche Werte vertritt. Parteipolitische Institutionen dürfen zudem die Zugehörigkeit zu einer Partei erfragen. Des Weiteren ist es bedingt zulässig, eine potenzielle Führungsperson in einem Vorstellungsgespräch nach ihren Vermögensverhältnissen zu fragen. So können Rückschlüsse auf den Umgang mit Vermögenswerten gezogen werden.

Wie Personaler verbotene Fragen umgehen

Personalverantwortliche dürfen Bewerbern laut dem Antidiskriminierungsgesetz (AGG) keine unzulässigen Fragen stellen. Werden diese eindeutig formuliert, kann der Bewerber die Antwort verweigern, beantworten oder lügen. Einige Personaler finden jedoch Wege, Antworten auf verbotene Fragen zu erhalten. Sie formulieren die Erkundigungen geschickt um. So kann die Frage nach der Muttersprache vordergründig dazu dienen, die Sprachkenntnisse einzuschätzen. Indirekt erhält der Personaler jedoch Auskunft über die Herkunft und die Kultur des jeweiligen Kandidaten. Ebenso verhält es sich mit der Frage nach dem Alter. Diese darf nicht gestellt werden. Eine Aufforderung, den beruflichen Werdegang darzulegen, liefert jedoch ausreichend Informationen, um das ungefähre Alter einschätzen zu können.

Das Fazit – Grenzen setzen

Ein Vorstellungsgespräch bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit, sich einen ersten Eindruck von dem Gegenüber zu verschaffen. Der Personalverantwortliche stellt dem Bewerber dabei gezielt Fragen, um seine Qualifikationen und Kenntnisse mit den Anforderungen an die vakante Stelle abzugleichen. Generell verfügt der Arbeitgeber im Bewerbungsverfahren dabei über das Fragerecht. Allerdings ist dies nur gegeben, wenn es sich um keine sachfremden Inhalte handelt. Dazu zählen auch private Informationen. Werden Fragen nach dem Alter, der Herkunft, dem Familienstand und der politischen Einstellung gestellt, sind diese unzulässig.

Der Bewerber kann die Antwort verweigern, wahrheitsgemäß antworten oder von seinem Recht zur Lüge Gebrauch machen. Dabei gilt: Kandidaten in Bewerbungsprozessen sollten Grenzen setzen und Ihrem Verhandlungspartner auf Augenhöhe begegnen. Löst das Vorstellungsgespräch bei ihnen ein schlechtes Gefühl aus, ist es möglich, das Gespräch sachlich abzubrechen. In Ausnahmefällen können verbotene Fragen im Job-Interview jedoch gestellt werden. Zudem besteht unter Umständen eine Offenbarungspflicht.

Kommentar hinterlassen

PolandCzech